Warmachine: Legends
24.März 2009 Markus Pohlmann
Mit dem gut 180 Seiten starken Hardcover Warmachine: Legends legt Privateer Press mittlerweile schon die vierte Erweiterung für ihr Steampunk-Tabletop vor. Wie auch die Vorgänger bieten sich hier wieder allerlei Optionen, um seiner Armee noch mehr Schlagkraft und Flexibilität zu verleihen.
Nach der einleitenden Geschichte schließen sich die Regelneuerungen dieses Bandes an. Auf lediglich zwei Seiten bekommt man verschieden Optionen geboten, mit denen man den Armeeaufbau und die Spieltaktik in völlig neuem Licht sehen kann. So besteht zum Beispiel nun die Möglichkeit, nicht nur normalen Truppen eine Einheitenangliederung zur Seite zu stellen, sondern auch seinen Warcastern. Mit den Affinitäten wird auf die enge Beziehung zwischen manchen Warcastern und ihren Jacks eingegangen, die besondere Manöver ermöglicht. Diese und auch die anderen neuen Regeln sehen auf den ersten Blick zwar nicht sonderlich spektakulär aus, doch beeinflussen sie den Spielstil und das Zusammenwirken der Figuren nicht unerheblich.
Nachdem nun die Grundlagen gelegt wurden, wird es Zeit sich mit dem wirklich interessanten Teil des Buches auseinander zu setzen: den neuen Einheiten und deren Regeln. Hier ähnelt sich der Aufbau für jede der vier Fraktion, Cygnar, Menoth, Khador und Cryx, sehr stark. Neben einem neuen, bisher unbekannten Warcaster gibt es auch die Epic-Variante eines alten Bekannten. So erleben wir ein Wiedersehen mit General Adept Nemo, dem Hierarch Severius, Kommandant Irusk oder dem gefürchteten Goreshade. All diesen Castern ist gemein, daß sie sich seit ihrem letzten Auftritt verändert haben. Nicht nur die spielrelevanten Werte sind unterschiedlich, auch ihre Charaktere und ihre Vorgehensweise haben sich teilweise drastisch verändert. Daneben erhält jede Fraktion zwei einzigartige Warjacks, deren erwachter Cortex es ihnen erlaubt, eine tiefere Verbindung mit bestimmten Warcastern einzugehen und so besondere Fähigkeiten zu erhalten, die sich an denen ihres Herren orientieren.
Einen völlig neuen Truppentyp stellen die Warcaster-Angliederungen dar. Diese Figuren sind an einen bestimmten Caster gebunden und dienen dazu, ihn auf dem Schlachtfeld zu beschützen oder eine Fähigkeit zu steigern. So kann zum Beispiel der Squire, eine Art Mini-Warjack, als Verstärker und Verteiler für die Fokuspunkte seines Herrn dienen, während der War Dog dafür sorgt, daß niemand dem Caster zu nahe kommt, während dieser mit der Kontrolle seiner Warjacks beschäftigt ist. Ebenfalls neu sind die Verbündeten, die meist einen, von der regulären Truppe, völlig unterschiedlichen Spielstil ermöglichen. So verfügt Cygnar mit den Precursor Knights über eine schwer gepanzerte Einheit religiöser Fanatiker, die man eher bei den Menithen erwartet hätte. Diese wiederum erhalten eine leichte Kundschaftereinheit mit recht passablen Fernkampfoptionen. Khador, sonst nicht grade bekannt für ihr heimliches Vorgehen, kann mit den Kayazy Assassins eine sehr diskrete und schlagkräftige Truppe rekrutieren, die wichtige gegnerische Modelle ohne viel Federlesen ausschalten kann. Lediglich die Cryx bleiben mit den Cephalyx Mind Slavern zumindest teilweise ihrem Spielstil treu.
Auch mit den Solos beziehungsweise den Charakter Solos, die jede Fraktion erhält, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Hier wird für jede Aufgabe auf dem Spielfeld die passende Alternative geboten. Neben unterstützenden Figuren wie dem Vassal of Menoth, der einen starken Einfluß auf Fokus und seine Nutzer hat, oder dem begnadeten Mechaniker Captain Strangewayes, gibt es natürlich auch Solos, die ausschließlich für den Kampf leben. Das Paradebeispiel hierfür ist der Doom Reaver Fenris. Egal ob Mann oder Warjack, beides fällt unter den mächtigen Schlägen seiner verfluchten Schwerter. Nicht ganz so effektiv im Kampf ist der untote Darragh Wrathe, der für die Cryx die Soul Hunter führt, oder der vom Drachenvater reich beschenkte General Gerlak Slaughterborn.
Nicht ganz so spektakulär wie diese Truppen sind die neuen Einheiten, auf die man als Spieler nun Zugriff hat. Hierbei handelt es sich zumeist um schwer gepanzerte und äußerst schlagkräftige Einheiten, die aber auf Grund ihrer hohen Punktkosten nur für die wichtigsten Missionen eingesetzt werden. Einen ganz besonderen Einfluß auf das Spielgeschehen haben die Charakter-Einheiten. Diese, zumeist aus drei Modellen bestehenden Truppen bringen eine enorme Machtfülle auf das Schlachtfeld, allerdings erfordert der richtige Einsatz ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl. So wird es erst nach einigen Partien gelingen, das volle Potential von Visgoth Rhoven oder dem Withershadow Combine auszunutzen.
Nachdem die vier regulären Fraktionen derart viele und effektive Verstärkung erfahren haben, ist es nur natürlich, daß auch die Söldner dem nicht nachstehen wollen. Die Mercenaries bekommen durch die Horgenhold Forge Guard und die Steelhead Heavy Cavalry ebenfalls zwei Einheiten, die in ihrer jeweiligen Aufgabe völlig aufgehen. Ein ganz besonderes Augenmerk wurde aber auf die Charakter Solos gelegt. Nicht weniger als fünf dieser Solos schicken sich an, die Schlachtfelder zu erobern. Von der verstohlenen Assassine Anastasia über den abtrünnigen Inquisitor Midwinter bis hin zur Epic-Variante der gefürchteten Warcaster-Jägerin Eiryss hat man eine reichhaltige Auswahl ein Söldnern um die eigenen Schwächen auszugleichen und gleichzeitig den wunden Punkt in der gegnerischen Taktik zu finden.
Auch dieser neue Band kann mit seiner hervorragenden Aufmachung, dem übersichtlichen Layout und den stimmigen Bildern überzeugen. Die Übersetzung ist, bis auf einige wenige Rechtschreibfehler gelungen und vermittelt gut das Flair der Iron Kingdoms. Ebenso trägt die Geschichte, in die das Regelwerk eingebunden ist, dazu bei, daß man sich schnell auf das Spiel einstimmt. Die Regelneuerungen beschränken sich auf nur wenige Zusätze, doch haben diese einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf das künftige Spielgeschehen. Die Auswahl der vorgestellten Modelle bietet für jede Fraktion ausreichende Neuheiten, so daß nun einige weitere Option für die Armeezusammenstellung zur Verfügung stehen und ausgefeiltere Taktiken möglich sind. Daneben ergänzen sich die neuen Figuren gut mit ihren schon bekannten Vorgängern und erweitern deren Möglichkeiten teilweise beträchtlich. Einzig der Mangel an neuen Szenarien stört den ansonsten sehr guten Gesamteindruck, doch wird dies durch die anderen Faktoren mehr als ausgeglichen.
Tags:Rackham, Steampunk, Warmachine
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