AT-43

24.März 2009 Markus Pohlmann

Nach ihrem erfolgreichen Einstand in den Tabletop-Fantasybereich versucht sich die französische Figurenschmiede Rackham jetzt in den Weiten des Weltalls. Mit dem AT-43 Operation Damocles Initiation Set erschien Ende 2006 die Grundbox, die den Einstieg in dieses Spiel erleichtern sollte. Neben einem umfangreichen, fünfsprachigen Regelwerk, einem Maßband und einigen Würfeln liegt das Hauptaugenmerk auf den vorbemalten Figuren, die der Box beiliegen. Hierbei handelt es sich um neun Elitesoldaten der menschlichen Truppen der U.N.A., die sogenannten Steel Troopers mit zwei Anführern und zwei Spezialwaffen. Diese werden begleitet von einem Mobilen Gefechtssystem, einem schwer gepanzerten und bewaffneten Kampfläufer namens Fire Toad. Diesen stehen die Therian gegenüber, hoch entwickelte, menschenähnliche Kriegsmaschinen, die von einer überragenden Intelligenz angeführt werden und die Galaxis nach ihren Vorstellungen umgestalten wollen. Die Truppe besteht aus acht Storm Golems, auch mit zwei Anführern und zwei Spezialwaffen ausgestattet, und einem Wraith Golgoth, ebenfalls ein schwerer Kampfläufer. Für diese Figuren sind natürlich auch Karten mit den Spielwerten enthalten, die unter anderem auch bei der Festlegung der Zugreihenfolge zur Anwendung kommen. Dazu befinden sich in der Box noch ein Container, der sowohl als Geländestück wie auch als Missionsziel fungieren kann, mehrere Mauersektionen und zwei Generatoren der Außerirdischen. Schließlich gibt es noch einen großformatigen Spielplan, den man als Geländeersatz nutzen kann.

Die menschlichen Figuren bestehen aus drei Teilen, Kopf, Torso und Unterleib, die man austauschen kann. Das Design der Figuren ist nicht wirklich aufregend, erfüllt aber seinen Zweck. Allerdings ist der Guß nicht der Beste, und einige der Figuren weisen störende Grate auf, die entfernt werden sollten. Die Bemalung besteht aus einer grauen Grundierung, die an einigen Stellen, wie z.B. im Gesicht oder am Gürtel durch andere Farben aufgepeppt und dann noch ein wenig geinkt wurde – zum Spielen noch akzeptabel. Besser sieht der Kampfläufer aus, hier ist der Guß sehr sauber und auch die Bemalung recht ordentlich gelungen. Zudem gibt es hier die Möglichkeit, die Waffensysteme auszutauschen. Die Therian bestehen lediglich aus einem Teil und bieten nicht die Möglichkeit der Variation der Figuren. Die Qualität der Figuren bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau wie bei den Steel Troopers. Gußgrate sucht man hier zwar vergeblich, allerdings sind dafür einige der feinen Teile verbogen oder nicht richtig gegossen. Auch die Bemalung ist nicht überragend, genügt aber dem allgemeinen Tabletopstandard. An dieser Stelle muss aber der Kampfläufer der Therian lobend erwähnt werden, der sowohl vom Design als auch von der Ausführung her wesentlich besser gelungen ist.

Die Regeln sind recht einfach gehalten. Das Grundprinzip besteht einfach im Vergleich des eigenen und des entsprechenden gegnerischen Wertes. Abhängig von der Differenz muß an Hand der so genannten Universaltabelle ein bestimmtes Würfelergebnis erreicht werden, um einen Erfolg zu erzielen. Diese Tabelle wird für fast alle spielrelevanten Proben genutzt. Nach einer kurzen Einleitung wird der Spieler in sechs einfachen Missionen mit den grundlegenden Regeln des Spieles vertraut gemacht. Die Übersetzung gibt keinen Grund zur Beanstandung, und durch den geschickten Aufbau des Regelwerkes kann man sich Stück für Stück mit dem Spielablauf vertraut machen. Hier findet man ein einsteigerfreundliches Regelwerk, das sich an Neulinge richtet. Erfahrene Spieler werden mit diesen sehr einfach gehaltenen Regeln aber nicht viel anfangen können. In diesem Fall sollten sie sich lieber direkt mit den anspruchsvolleren Regeln des Grundregelwerkes beschäftigen.

Der knapp 130 Seiten starke Softcoverband mit den richtigen Spielregeln teilt sich grob in drei Teile, die wieder durchgehend hochklassig illustriert sind.

Den ersten Teil des Buchs nehmen die Betrachtung des Spielhintergrundes und die Vorstellung der vier bisher geplanten Rassen ein. Hier erfährt man nicht nur etwas über den Hintergrund der betreffenden Völker sondern auch über ihre gesellschaftlichen Strukturen und den Aufbau ihrer Truppenverbände.

Die schon aus der Grundbox bekannten United Nations of Ava machen den Anfang. Diese selbsternannten Verteidiger der Menschheit haben nach anfänglich horrenden Verlusten den Kampf gegen alle inneren und äußeren Bedrohungen ihrer Gesellschaft aufgenommen und begonnen die Schlacht zum Gegner zu tragen. Danach wird etwas mehr Licht in den Ursprung und die Ziele der Therian gebracht, die die Bevölkerung der Galaxis bedrohen und sie ihrem Entwicklungsprogramm opfern wollen. Der Red Blok, als zweite große menschliche Zivilisation, folgt direkt im Anschluß. Bei dieser Fraktion handelt es sich ursprünglich um die unterdrückten Massen der Arbeiter, die auf Ava und den Kolonien ausgebeutet wurden und sich nach einer mehr oder minder erfolgreichen Revolte in einem Kollektiv zusammengeschlossen und ihre Unabhängigkeit ausgerufen haben und diese nun nach allen Seiten hin verteidigen wollen. Das vorerst letzte Volk sind die Karman. Bei diesen handelt es sich um intelligente Affen mit einem Hang zur Philosophie. Sie treten für eine universelle Ordnung ein und sträubten sich anfangs, in den Konflikt zwischen Menschen und Therian verwickelt zu werden. Doch mittlerweile sind sie zu dem Schluß, gekommen eingreifen und der Galaxis Frieden bringen zu müssen.

In den eigentlichen Regeln werden die verschiedenen Spielmechanismen wesentlich ausführlicher behandelt als in den Kurzregeln der Einsteigerbox. Neben grundsätzlichen Dingen wie z.B. der Bestimmung von Sichtlinien, der Erklärung der Kartenwerte und der Erläuterung der Wirkungsweisen der verschiedenen Waffen wird hier sehr viel Wert auf die taktischen Möglichkeiten gelegt, die sich durch die Vergabe von Befehlen oder die richtige Zusammenstellung der Truppen ergeben. Veranschaulicht werden die einzelnen Regeln immer wieder durch illustrierte Beispiele, die sämtliche Unklarheiten beseitigen. Rackham ist hier ein schlüssiges, komplexes aber nicht kompliziertes Spielsystem gelungen, in welches man sich ohne größere Schwierigkeiten schnell einarbeiten kann.

Das Buch schließt mit dem Anhang, in dem sich neben einem Schlachtbericht mit ausführlichen Kommentaren der Spieler auch mehrere Missionen befinden, die vom Anspruch her immer höhere Anforderungen an die Spieler stellen. Ebenso finden sich hier die Regeln für Geländeteile und ihren Einsatz, ein umfangreiches Glossar, das alle spielrelevanten Begriffe zusammenfaßt und die Regeln, um eigene Einheiten der Therian oder der U.N.A. auszuheben und in die Schlacht zu führen.
Die U.N.A. Steel Troopers Unit Box enthält eine Einheit der Elitetruppen der United Nations of Ava mit sechs Figuren, einschließlich einem Anführer und einer Figur mit Raketenwerfer, inklusive sechs alternativen Köpfen. Dazu kommen noch drei Karten mit Profilen für die Figuren. Die Figuren selbst unterscheiden sich in der Bemalung nicht sonderlich von denen aus der Grundbox. Das Design der Figuren ist zweckmäßig und paßt gut zu einer organisierten Armee, ohne jedoch zu statisch zu wirken. Der Guß ist bis auf einige kleine Gußgrate fehlerfrei. Die Bemalung beschränkt sich auch hier auf drei Grundfarben, die mit Hilfe einer Wash noch ein wenig aufgewertet wurde.

Passend dazu kommt die U.N.A. Steel Troopers Attachment Box mit sechs Figuren, um die Einheit schlagkräftiger zu machen. Neben einem Offizier finden sich noch ein Sanitäter, ein Mechaniker, ein normaler Soldat und zwei Spezialisten mit schweren Waffen in der Box. Auch hier gibt es wieder alternative Helme für alle Figuren und insgesamt acht Karten mit den Spielwerten, wobei die meisten für den Offizier gedacht sind und seine Werte für verschiedene Ränge repräsentieren. Das Niveau der Bemalung und des Gusses bewegt sich leicht über dem der Einheiten-Box.

Mit der U.N.A. Star Troopers Unit Box betritt nun auch die normale Infanterie das Schlachtfeld. Der Trupp aus acht Figuren unterscheidet sich lediglich in einigen Details von den Steel Troopers. Neben sechs normalen Soldaten gibt es zusätzlich noch einen Anführer und ein schweres MG. Gußgrate sucht man bei dieser Box vergeblich, und auch die Qualität der Bemalung konnte im Vergleich zu den Vorgängerboxen noch einmal gesteigert werden.

Damit die Soldaten nicht alleine in die Schlacht geschickt werden, gibt es natürlich noch die U.N.A. Star Troopers Attachment Box. Auch hier finden sich ein Offizier und ein Sanitäter wieder, dazu kommen noch einen Sprengmeister und drei Soldaten mit Spezialwaffen, nämlich einem Flammenwerfer, einem MG und einem Raketenwerfer. Ebenfalls dabei sind sechs alternative Helme und acht Karten, wobei auch hier wieder die meisten Karten auf den Offizier entfallen. Die Qualität des Gusses und der Bemalung entspricht in etwa der Einheiten-Box und bietet kaum Anlaß zur Beanstandung.

Den Anfang der Spezialeinheiten bildet die U.N.A. Wing Trooper Unit Box. Die in der Box enthaltenen sechs Figuren, einschließlich einem Anführer und einem Soldaten mit Spezialwaffe, sind mit Sprungmodulen ausgestattet, die ihnen eine wesentlich gesteigerte Mobilität verleihen. So haben sie die Möglichkeit, weit hinter die feindlichen Linien zu gelangen. Auch in dieser Box finden sich neben den Karten mit den Werten auch wieder Köpfe zum Austauschen. Die Posen der Modelle sind nicht wirklich einfallsreich, erfüllen aber ihren Zweck. Wie schon bei den anderen Boxen ist die Qualität durchaus in Ordnung.

Die stärkste Infanterieeinheit der White Stars bietet die U.N.A. Steel Tac Arms Unit Box. Hierbei handelt es sich um Soldaten, die in einen komplett gepanzerten Anzug gesteckt und sich mit jeweils zwei Spezialwaffen ausgerüstet wurden, um die härteste Gegnern stellen können. In der Box befinden sich drei Tac Arms und ein Austauschkit, mit dem man einen davon zum Anführer aufwerten kann. Das Design der Figuren ist etwas klobig, paßt aber recht gut zu ihrer Aufgabe auf dem Schlachtfeld. Beim Guß gibt es durchaus einige Mängel. Auch die Bemalung ist nicht sonderlich gelungen.

Den Abschluß bildet ein Mobiles Gefechtssystem, die Fire Toad MK.02 Unit Box. Die optischen Unterschiede zu der schon aus der Grundbox bekannten MK.01 sind minimal, allerdings ergeben sich aus der Möglichkeit einer unterschiedlichen Bewaffnung und der verschiedenen Profile teils gravierende Unterschiede im Spieleinsatz. Neben der Standardbewaffnung ist in der Box noch ein Satz zusätzlicher Waffen enthalten. Die vier mitgelieferten Karten bieten daher auch unterschiedliche Profile, um die jeweilige Bewaffnung zu berücksichtigen. Gestaltung und Bemalung können durchaus als gelungen bezeichnet werden. Zusätzlich befindet sich in der Box noch ein Versorgungscontainer, der im Spiel sowohl als Geländeteil als auch als Szenarienziel eingesetzt werden kann.

Diesem Aufgebot stellen die Therianer ihre eigenen Infanterietruppen in Form der Therian Storm Golem Unit Box entgegen. Ähnlich wie bei ihren menschlichen Gegenstücken gibt es auch hier wieder vier normale Soldaten, einen Anführer und einen Kämpfer mit Spezialwaffe in der Box. Dazu kommen wieder drei Karten mit den entsprechenden Werten. Die Modelle haben nur noch auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit den Storm Golems aus der Grundbox. Die Rüstungen sind wesentlich detaillierter gearbeitet und auch bei der Bemalung konnte noch einiges zugelegt werden.

Die dazugehörige Therian Storm Golem Attachment Box enthält ebenfalls sechs Modelle. Angeführt vom Overseer gibt es noch vier Storm Golems mit Spezialwaffen, je zwei Flamer und zwei Sonic Guns, außerdem ist noch eine Figur mit einem Relais enthalten, die die Aktivierung der Einheit unterstützt. Acht Karten listen die alternative Ränge für den Overseer und die Werte der restlichen Figuren. Die Figuren ähneln bis auf die Bewaffnung in der Qualität des Gußes und der Bemalung den Figuren aus der Unit Box, lediglich der Overseer sticht durch sein elegantes Design ins Auge und sollte daher gesondert erwähnt werden.

Um den schweren Waffen des Gegners etwas entgegenzusetzen wurde die Therian Bane Goliaths Unit Box entwickelt. Es handelt sich hier um drei Figuren, die auf ihren vier spinnenartigen Beinen über das Schlachtfeld huschen, und sich auf die schwer gepanzerten Einheiten des Gegners zu stürzen und diese mit Hilfe ihrer beiden Spezialwaffen ausschalten. Neben den Figuren gibt es noch ein auswechselbares Rückenmodul um einen der Goliaths zum Anführer aufzuwerten und zwei Karten mit den jeweiligen Spielwerten. Der Guß der Figuren ist sauber, leider kommt die Bemalung etwas lieblos und eintönig daher. Auch haben einige der dünnen Beinchen beim Transport etwas gelitten und müssen wieder in Form gebracht werden.

Bei den Einheiten der Therian Assault Medusas Unit Box handelt es um schwebende Kampfdrohnen, die eine Masse an peitschenähnlichen Tentakeln hinter sich her ziehen. Neben den beiden normalen Figuren befinden sich noch ein Anführer und eine mit einer Spezialwaffe ausgerüstete Drohne in der Box. Das Design der Figuren ist außergewöhnlich, paßt aber sehr gut zu ihrer Geschichte. Guß und Bemalung bieten auch keinerlei Grund zur Beanstandung.

Auch die Therian Hekat Golgoth Unit Box fällt zuerst einmal durch ihr Design auf. Ein dreibeiniges MGS ist schon sehr ungewöhnlich, wenn es auch noch eine der schnellsten bisher erhältlichen Einheiten ist, wird die Sache richtig interessant. Mit seiner Bewaffnung kann diese Figur innerhalb kürzester Zeit gegnerische MGS ausschalten oder zur Not auch Infanterieeinheiten aufreiben. Neben der eigentlichen Figur finden sich in der Box noch die beiden dazugehörigen Referenzkarten und drei der Mauersektionen, die schon aus der Grundbox bekannt sind.

Um noch mehr Feuerkraft auf das Schlachtfeld zu bringen, gibt es schließlich die Therian Wraith Golgoth Unit Box. Ebenso wie der Wraith aus der Grundbox ist dieser gleichermaßen gut dafür ausgerüstet sowohl gegnerischen MGS als auch der Infanterie das Leben schwer zu machen. Auch hier gibt es eine Zusatzwaffe, die es dem Spieler ermöglicht, sich auf seine Gegner einzustellen. Sowohl Guß und Bemalung sind gut gelungen und zählen zu dem Besten, was Rackham bisher für AT-43 abgeliefert hat. Daneben enthält die Box einen weiteren Container.

AT-43 verfügt über einige recht einfache, aber wirkungsvolle Spielmechanismen, die es auch den nicht ganz so erfahrenen Tabletop-Interessierten ermöglichen, in relativ kurzer Zeit einen Einstieg in das Spiel zu finden. Die Feinheiten der Regeln und die verschiedenen Möglichkeiten, die einem Spieler mit seinen Truppen zur Verfügung stehen, erschließen sich erst im Laufe einiger Spiele, so daß auch für den erfahrenen Spieler das Spiel immer neue Herausforderungen bietet.

Über die Qualität der Figuren kann man geteilter Meinung sein. Während das Design sowohl der U.N.A.-Truppen als auch der Therianer durchaus ansprechend ist, weisen die Gußqualität und die Bemalung bei den älteren Figuren teilweise noch erhebliche Qualitätsmängel auf. Allerdings sollte man sich hier wieder in Erinnerung rufen, daß es AT-43 den Spielern ermöglichen soll, sofort loszuspielen ohne erst viel Zeit mit dem Zusammenbau und der Bemalung der Figuren zu verbringen. Von diesem Standpunkt aus gesehen ist die Qualität der Bemalung durchaus in Ordnung. Und wer mehr Wert auf eine optisch ansprechende und individuelle Armee legt, kann die Figuren nach seinen Vorstellungen umgestalten.

Abschließend kann man sagen, daß Rackham hier ein faszinierendes Spiel gelungen ist, daß sowohl völlige Neueinsteiger als auch alte Tabletophasen anspricht und noch viel Entwicklungspotential bietet. Man darf also durchaus gespannt sein, wie sich die Konflikte in diesem Spieluniversum durch die künftigen Neuerscheinungen weiter entfalten.

Tags:, ,

Artikel gespeichert unter: AT-43


Aktuelle Artikel

Themen